Dankbarkeit

Ich weiß nicht, wie das bei euch so ist, aber die Zeit um Weihnachten und Neujahr ist bei mir die Zeit, wo man viel zu viel isst, trinkt und sich Gedanken macht; im schlimmsten Fall ergibt sich sogar ne Kombi aus allen drei Komponenten. Und so musste ich erst mal sacken lassen, was da gerade in den vergangenen 9 Monaten, seit ich das Projekt gestartet habe, passiert ist – und das ist so viel mehr, als ich erwartet hätte.

Grundsätzlich habe ich in meinem ersten Beitrag darüber geschrieben, was mich als Musiker antreibt. Das ist grundsätzlich erst mal nicht viel: 1. Man kann (einmal damit angefangen) nicht wirklich die Finger still halten – 2. Brauche ich ein Ansatzpunkt, um das was da täglich um uns passiert, zu greifen, zu verstehen und zu verarbeiten. – 3. Würde ich Freude, Leid, Liebe und Hass (so quasi das ganze Spektrum, was so ein Leben zu bieten hat) gerne mit anderen teilen. Von diesen Punkten abgeleitet, wollte ich ne kleine Platte rausbringen, ein paar Konzerte spielen und ein paar Leute (wieder) treffen.

So kam es, dass ich Mitte März meinen ersten Solo-Auftritt in Saarbrücken im Café Exodus spielen durfte. Wenn man in einer Postcore-Band gespielt hat, dann ist so ein Singer-Songwriter- und Poetry-Abend mit Sitzkissen und ruhigem Publikum erst mal eigentlich Neuland genug. Als ich dann aber zum ersten Mal alleine auf die Bühne des vollbesetzten Cafés stieg, wurde für mich „Neuland“ neu definiert. Ich erinnere mich an nicht mehr viel. Außer, dass das sehr intensiv war und dass mir das gut gefiel. Da das wohl auch einigen Leuten gefiel, führte eins zum Anderen und 24 Konzerte sollten folgen. Ich wiederhole mich ganz bewusst: Ich bin dankbar dafür, dass da Leute zu meinen Konzerten kommen und wiederkommen. Das empfinde ich nicht als selbstverständlich und es fühlt sich gut an. Vor allem dann, wenn Leute was mit meinen Songs verbinden können.

Lieder aufnehmen ist immer so ne andere Sache, wie ich finde. Damit beginnt ja erst mal alles: man probiert aus, man verwirft, man feiert, man flucht… Ich habe einige Jahre gebraucht, bis ich das Equipment und das Setting so hatte, dass ich mich damit wohl fühlte, um meine Ideen weiter auszubauen. So entstand „Human Circus“ erst ein Mal im stillen Kämmerlein und es brauchte nochmal ein weiteres, halbes Jahr, bis zu dem Entschluss, die Platte von Phil Hillen im SU2-Studio Mastern zu lassen. Als ich dann die ersten Songs in Eigenregie via SoundCloud veröffentlicht habe, kam ich recht zeitnah mit Tim von Midsummer Records in Kontakt, der meinte, dass wir die EP ja digital releasen könnten. Ich kenne Tim noch aus vergangenen Bandtagen und nach all den Jahren dachte ich nur: „Alter! Da ist jemand, der die Lieder, die du allein geschrieben und aufgenommen hast, gut findet. Sogar so gut findet, dass die sogar released werden sollen.“ – super cool! Ich hatte dann die Ehre, im Dezember auf der 10-jährigen Geburtstagsparty von Midsummer in Lüdenscheid zu spielen. Irgendwann zwischen Bier und Schnaps, Meraine und City Light Thief, saß ich im Backstage-Raum und hab die ganzen feiernden Leute und Bands gesehen, die ich selbst zum Teil seit zehn Jahren kenne. Dabei bekam ich kurz Gänsehaut. Zum Einen: wo sind diese verdammten zehn Jahre hin? Aber zum Anderen: Danke, dass ich bei all dem hier sitzen und ein Teil davon sein darf.

Diese Gedanken, die ich hier versuche niederzuschreiben, sollen keine Art der Selbst-Beweihräucherung sein. Vielmehr will ich deutlich machen, dass ich so dankbar bin für alles, was da passiert ist und gerade passiert. Und dass ich das eh nicht wirklich in Worte fassen kann.

Da da aber noch eine ganze Menge anderer Personen dran beteiligt waren und sind, will ich die Gelegenheit nutzen und auch diesen Menschen (in der Reihenfolge, die mir gerade einfällt) danken:

Anne Grandjean, die mir den nötigen Arschtritt verpasst hat, das Projekt zu starten und die mir in unserer Beziehung so viel Rückenhalt gibt, den es eben oft erfordert – Meinem Bruder Tim Kallenborn dafür, dass ich das Projekt nach ihm benennen darf – Tim Masson von Midsummer Records (das kann man ja oben lesen ;-)) – Robert Molter für die Freundschaft und all die Designs – Stefan Schaus für die Drumspuren bei John und Snowballs sowie für die Foto- und Videoprojekte – Hannah Quast für die schönen Backingvocals bei John und die Hilfe am Merch – Peter Schnadinger von Trees für das Featuring bei Waving In The Marching Band und die stets offenen Ohren – Christian Hunsicker für das Bass-Einspielen bei John – Phil Hillen für das Mastering der Platte – Jennifer Gershoff für das wunderschöne Einsprechen des live-Intros – Kai Jorzyk und Popp Concerts für das Vertrauen und die Unterstützung bei den schönen Konzerten – Meinen Partnern Away From Life Magazin, Remount und New-Core.de – Sascha Rinklef von Alternative Entertainment – Arnie&Jules BarBQ für die Hilfe beim Videodreh

Ich denke und hoffe, dass 2017 noch viele weitere Erlebnisse folgen werden, die ich so schnell nicht vergesse. Die ersten Konzerte findet ihr jedenfalls schon mal hier.

Habt einen guten Start ins neue Jahr! Passt auf euch auf, passt auf eure Lieben auf – Marco (Citizen Tim)